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21.03.2016

Ostern aus St. Ludwig in Darmstadt

Katholischer Gottesdienst am 27. März live in hr4 aus Darmstadt

Copyright: privat

Am Ostersonntag, 27. März, übertrug hr4 live von 10.05 bis 11.00 Uhr den katholischen Feiertagsgottesdienst aus der Pfarrkirche Sankt Ludwig in Darmstadt. Christ ist erstanden! Mit diesen alten, festlichen Klängen haben Orgel und Gemeinde in den Gottesdienst gestartet. Pfarrer Dr. Christoph Klock leitete die Eucharistiefeier und predigte.

Der Kirchenchor St. Ludwig, das Orchester "camerata ludoviciana" sowie vier Gesangssolisten haben unter der Leitung von Sebastian Schlöffel Teile aus einer Messe von Wolfgang Amadeus Mozart musiziert. An der Orgel wirkte Regionalkantor Jorin Sandau mit.

In der Predigt ging es um die biblische Geschichte eines österlichen Wettlaufs : Zwei Jünger rennen am Ostermorgen zum leeren Grab. Die Nachricht von Maria von Magdala hat sie aus ihrer lähmenden Trauer befreit. Dort am Grab verwandelt sich ihre Ratlosigkeit in Hoffnung - und aus Hoffnung wird schließlich Glaube.

Die Pfarrei Sankt Ludwig ist im Internet zu finden unter www.sankt-ludwig-darmstadt.de.

Musik im Gottesdienst:

  • Musik zum Einzug / Eingangslied: GL 318, "Christ ist erstanden", Str. 1-3
  • Gloria: "Gloria" aus der Missa in C KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Antwortpsalm: GL 335, "Das ist der Tag, den der Herr gemacht"
  • Halleluja: GL 175,3
  • Musik zur Predigt: Johann Sebastian Bach: "Christ lag in Todesbanden"
  • Credo: "Credo" aus der Missa in C KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Musik zur Gabenbereitung: GL 322, "Ihr Christen, singet hocherfreut", Str. 1-5 und 12
  • Sanctus: "Sanctus" aus der Missa in C KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Agnus Dei: "Agnus Dei" aus der Missa in C KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Musik zur Kommunion: "Benedictus und Osanna" aus der Missa in C KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart
  • Danklied: GL 328, "Gelobt sei Gott, im höchsten Thron", Str. 1, 5, 7
  • Schlusslied: GL 815, "O tönt ihr Jubellieder"
  • Musik zum Auszug: Charles Marie Widor: Toccata aus der V. Orgelsinfonie #

Predigt:

Im Laufe unseres Lebens, liebe Gemeinde, ziehen viele Ereignisse und Personen an uns vorbei. Manche hinterlassen einen bleibenden Eindruck, manche verblassen schnell in der Erinnerung. In vielen Fällen können wir selbst gestalten und Einfluss nehmen, anderes überrollt uns förmlich. Mit den Menschen im engsten Umfeld Jesu war das genauso. Sie wurden zu hilflosen Zeugen im Ablauf der Ereignisse. Andere hatten das Heft in der Hand. Jesus, ihr Herr und Meister, wurde verraten, gefoltert und ans Kreuz geschlagen. Hilflos mussten sie zusehen. Als Jesus am Kreuz starb, zerbrachen ihre Hoffnungen. Mit seinem Tod war ihnen die Mitte ihres Lebens genommen. Und als sein Grab mit einem schweren Stein verschlossen wurde, musste es ihnen vorkommen, als würde Gott nun endgültig aus dieser Welt verbannt. Gewiss, das Leben ging irgendwie weiter, aber Entsetzen und Trauer lähmten sie. Die meisten seiner Freunde hatten das Ende Jesu nur aus der Ferne verfolgt. Nun schien er ihnen ferner denn je. Das Dunkel seines Todes wurde zum Dunkel ihres Lebens.

Doch es gab zumindest einige, die ihren Herrn und sich selbst nicht aufgeben wollten. Maria aus Magdala, die Jesus zum Leben befreit hatte, war eine von ihnen. Noch ist es dunkel, als sie zum Grab kommt. Was sie wahrnimmt, ist unglaublich: Der Stein verschließt das Grab nicht mehr. Ihr kommt, naheliegend genug, ein fürchterlicher Verdacht: Der Leichnam ist gestohlen worden! Wie hätte sie auch etwas anderes vermuten sollen? Noch ist sie im Dunkel menschlicher Ratlosigkeit befangen. Noch gibt es kein Licht, nicht des Tages und nicht des Glaubens. Aber sie muss es schnell den Jüngern berichten und läuft los.

Ihr Lauf ist nicht umsonst. Petrus und der Jünger, den Jesus liebte (vielleicht Johannes, aber wir erfahren nirgendwo, wer dieser Jünger war), sie laufen nun selbst zum Grab, Maria folgt ihnen. Sie wissen nicht, dass dieser Lauf ihr ganzes Leben verändern wird. Der andere Jünger ist schneller, sieht kurz in das Grab, lässt aber Petrus den Vortritt. Das Grab ist tatsächlich leer. Das zumindest können sie zweifelsfrei sehen. Was dabei in Petrus vorging, wird nicht berichtet. Der andere Jünger sieht offenbar tiefer. Er erkennt: Hier können nicht Menschen am Werk gewesen sein. Er glaubt. Später werden sie die Zusammenhänge verstehen, die in der Schrift vorgezeichnet sind. Jesus musste auferstehen. Sein Tod am Kreuz war kein Scheitern, sondern der entscheidende Schritt zum Leben. Zu unserem Leben. Denn im Grab, zu dem sie gelaufen sind, erwartet sie kein Leichnam. Jesus ist nicht mehr tot, er lebt. Sie werden ihn sehen. Er wird mit Maria sprechen, mit allen Jüngern, er wird mit ihnen essen. Aber sein Leben bleibt für sie ein Geheimnis.

as gilt erst recht für uns. Was immer wir sehen, erkennen und wissen können, kann uns den Glauben nicht ersetzen. Auch ich sehe, genau wie die Jünger, ein leeres Grab. Aber in dieser Leere kann in mir etwas wachsen: die Erkenntnis, dass Gott mich in Jesus Christus unendlich liebt, die Überzeugung, dass Jesus lebt und ich mit ihm. Dies ist meine Botschaft am Ostermorgen. Auch für mich fängt heute etwas Neues an. Ich darf mein Leben neu entdecken. Ich stelle mir vor, mit den Jüngern zum Grab zu laufen. Es ist leer. Ich beginne zu verstehen, dass es um etwas ganz anderes geht, als den Dingen hinterherzurennen, die mein Leben angenehm machen. Gott selbst ist es, der mir Leben schenkt. Deswegen muss ich vor dem Geheimnis des Ostertages nicht erschrecken. In der Auferstehung Jesu darf ich an das Geheimnis meines eigenen Lebens glauben. Amen.